Zeit für das, was wirklich zählt

Jürgen Ferrary
11. September 2026

Kennst du das? Jemand fragt dich, ob du Zeit hast – und dein erster Gedanke ist: „Wann denn noch?“ Unser Kalender ist voll. Arbeit. Familie. Termine. Einkaufen. Sport. Nachrichten. Social Media. Und natürlich die Serie, bei der man eigentlich nur eine Folge schauen wollte und plötzlich fragt: „Warum ist es schon halb eins nachts?“

Das Interessante an unserem Leben ist: Für das, was uns wirklich wichtig ist, finden wir meistens Zeit. Wir finden Zeit für Fußball. Für Netflix. Für Sport. Für Freunde. Für den Geburtstag eines Menschen, der uns wichtig ist. Und manchmal sogar für Dinge, von denen wir vorher gesagt haben: „Dafür habe ich wirklich überhaupt keine Zeit.“

Aber ausgerechnet bei Gott sagen wir dann: „Diese Woche war einfach zu viel los.“ Natürlich gibt es Situationen, in denen wir wirklich verhindert sind. Das ist nicht der Punkt. Aber vielleicht sollten wir uns gelegentlich eine ehrliche Frage stellen: Wenn Gott wirklich wichtig für mich ist – wo bekommt er dann bewusst Platz in meinem Kalender?

Der Gottesdienst ist mehr als ein weiterer Termin zwischen Frühstück und Hobby. Er ist eine bewusste Unterbrechung unseres Alltags. Wir halten an und erinnern uns daran: Mein Leben besteht nicht nur aus dem, was dringend ist. Es gibt auch etwas, das wichtig ist.

Psalm 95,6 fordert uns auf: „Kommt, lasst uns anbeten und uns vor ihm verbeugen. Lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer.“ (Psalm 95,6) Anbetung beginnt damit, dass wir uns bewusst Zeit nehmen. Wir sagen: „Gott, für diesen Moment dreht sich nicht alles um meine To-do-Liste. Ich richte meinen Blick auf dich.“

Jesus sagt: „Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht.“ (Matthäus 6,33). Beachte: Jesus sagt nicht, dass Gott irgendwo zwischen all unseren anderen Verpflichtungen noch einen freien Platz bekommen soll. Er spricht vom „zuerst“.

Das bedeutet nicht, dass wir jeden Moment unseres Lebens in einer Kirche verbringen müssen. Aber es bedeutet, dass Gott nicht immer nur das bekommen sollte, was von unserer Zeit übrig bleibt. Was dir wichtig ist, bekommt einen Platz in deinem Kalender – und Gott sollte nicht immer der Rest sein.

Genau deshalb ist der Gottesdienst so wertvoll. Wir unterbrechen bewusst unseren normalen Rhythmus. Wir kommen zusammen. Wir singen. Wir hören auf Gottes Wort. Wir beten. Und wir erinnern unser Herz daran, wer wirklich das Zentrum unseres Lebens sein soll.

Der Hebräerbrief ermutigt uns: „Und lasst uns unsere Zusammenkünfte nicht versäumen, wie manche es sich angewöhnt haben.“ (Hebräer 10,25) Warum? Weil wir Menschen schnell vergessen. Der Alltag wird laut. Probleme werden groß. Termine werden dringend. Und ehe wir uns versehen, haben die wichtigen Dinge wieder den Platz an die dringenden Dinge verloren.

Gottesdienst ist deshalb keine verlorene Stunde. Es ist eine Investition in das, was dein ganzes Leben trägt. Zeit mit Gott ist keine verlorene Zeit, sondern investierte Zeit.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Entscheidungen, die du für deine Woche treffen kannst: Nicht erst am Sonntagmorgen zu überlegen, ob du „Lust“ auf Gottesdienst hast, sondern ihm vorher bewusst einen Platz zu geben.

Denn was wir nur dann tun, wenn gerade nichts dazwischenkommt, tun wir meistens irgendwann gar nicht mehr.

Deine Herausforderung für heute: Schau einmal ehrlich auf deinen Kalender. Was bekommt regelmäßig deine Zeit – und was bekommt Gott? Triff bewusst eine Entscheidung: Schenke Gott nicht nur die Zeit, die zufällig übrig bleibt. Reserviere ihm Zeit, weil er dir wichtig ist.

Vielleicht ist der nächste Gottesdienst nicht einfach ein Termin in deinem Kalender. Vielleicht ist er genau die Erinnerung, die du brauchst, dass dein Kalender nicht dein Leben bestimmen soll – sondern das, was wirklich zählt.

Sei gesegnet!

„Es ist nicht genug, beschäftigt zu sein. Die Frage ist: Womit sind wir beschäftigt?“ – Henry David Thoreau

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